Die Schrift der Reinheit und Gelassenheit (Friede,Stille,Ruhe)
12.02.08 (Zitate, Aphorismen, Gedichte)
Das große Dao hat keine Form;
Es bringt Himmel und Erde hervor und zeiht sie auf.
Das große Dao hat keine Gefühle;
Es reguliert den Lauf von Sonne und Mond.
Das große Dao hat keinen Namen;
Es nährt die unzähligen dinge und zieht sie auf.
Ich kenne seinen Namen nicht –
Daher rufe ich es „Dao“.
Das Dao kann rein oder trübe sein,
beweglich oder still.
Der Himmel ist rein, die Erde ist trübe;
Der Himmel bewegt sich, die Erde ist still (friedlich).
Das Männliche bewegt sich, das Weibliche ist still (friedlich).
Abstammend vom Ursprung
Dem Ende entgegenfließend
Werden die unzähligen Dinge geboren
Reinheit – die Quelle des Trüben.
Bewegung – die Wurzel der Stille.
Immer rein und still sein;
Himmel und Erde
Kehren zum Ursprünglichen zurück.
Der menschliche Geist mag die Reinheit,
Aber das Bewusstsein stört ihn.
Das menschliche Bewusstsein mag die Stille,
Aber Begehrlichkeiten mischen sich ein.
Befreie dich von Begehrlichkeiten zu deinem Wohle,
Und dein Bewusstsein wird ruhig sein.
Säubere dein Bewusstsein,
Und der Geist wird rein werden.
Natürlich (dann) werden die sechs Begehrlichkeiten nicht aufsteigen,
Die drei Gifte/Vergiftungen sind zerstört.
Wer das nicht tun kann
Hat sein Bewusstsein noch nicht gesäubert
Seine Begehrlichkeiten sind noch nicht gewichen.
Diejenigen, die ihre Begehren losgelassen haben:
Beobachte dein Bewusstsein durch Selbstbeobachtung –
Und erkenne, dass dort kein Bewusstsein ist.
Dann beobacht den Körper,
Schaue auf dich selbst von außen –
Und sehe, da ist kein Körper.
Dann beobachte andere durch Schauen aus der Ferne –
Und sehe, dort sind keine anderen.
Wenn du diese drei erkannt hast,
Beobachte die Leere!
Nutze die Leere, die Leere zu beobachten,
Und sehe, da ist keine Leere.
Wenn auch die Leere nicht mehr ist
Dann ist auch nicht länger Nichtsein.
Ohne auch die Existenz des Nichtseins
Ist nur noch Gelassenheit,
Tiefgründig und ewig während.
Wenn Gelassenheit sich auflöst in Nichts –
Wie können dort Begehrlichkeiten sein?
Wenn keine Begehrlichkeiten aufsteigen
Hast du die wahre Stille gefunden.
In wahrer Stille, folge den Dingen;
In wahrer Dauerhaftigkeit erkenne die innere Natur.
Für immer folgend, für immer still –
Dies ist dauerhafte Reinheit, bleibende Stille.
In Reinheit und Stille,
Nach und nach in das wahre Dao eintreten.
Nach dem Eintritt ins wahre Dao ist es erkannt.
Obwohl wir von „erkennen“ sprechen,
ist dort eigentlich nichts zu erreichen.
Vielmehr sprechen wir von erkennen,
wenn jemand mit der Umwandlung der unzähligen Dinge beginnt.
Nur wer das angemessen verstanden hat
Ist es wert, die Weisheiten des Dao zu vermitteln.
Der höchste Herr kämpft nicht;
Der geringere Herr liebt den Kampf.
Höchste Tugend ist frei von Tugend;
Geringere Tugend klammert sich an Tugend.
Alles Anhängen und Festmachen
Haben nichts zu tun mit dem Dao und der Tugend.
Menschen scheitern, dass Dao zu erkennen
Weil ihr Bewusstsein abweichend ist.
Abweichungen im Bewusstsein
Bedeutet, dass der Geist beunruhigt ist.
Beunruhigter Geist
Da ist Anhängen an die Dinge.
Anhängen an die Dinge,
Da ist Suchen und Begehren.
Suchen und Begehren
Da sind Leidenschaften und Kümmernisse.
Leidenschaften, Kümmernisse, Abweichungen und Vorstellungen
Beunruhigen und plagen Bewusstsein und Körper.
Dann verfällt man in Trübheit und Schande,
in Höhen und Tiefen, Leben und Tod.
Für immer versunken im Meer der Qualen
Ist man in Ewigkeit verloren für das wahre Dao.
Das Dao der wahren Beständigkeit
Wird ganz natürlich zu denen kommen, die verstehen.
Die, die die Verwirklichung des Dao verstehen
Werden für immer in der Reinheit und Stille ruhen.
Übersetzung von Anne aus
Thomas Cleary. The Taoist Classics Volume 3 (S. 87 – 116), übersetzte in Vitality, Energie, Spirit